Ich beobachte in letzter Zeit einen Trend, den ich … feedly


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Ich beobachte in letzter Zeit einen Trend, den ich …
// Fefes Blog

Ich beobachte in letzter Zeit einen Trend, den ich besorgniserregend finde. Journalisten bekämpfen sich gegenseitig mit einer Härte und Schärfe, dass ich mich an irgendwelche apokalyptischen Scifi-Filme wie Running Man erinnert fühle. Aktuelles Beispiel: Silvio Duwe kloppt in der Telepolis auf Ken Jebsen ein.

Ich habe dieses Phänomen vor einer Weile mal als „Niggemeiern“ bezeichnet, aber vielleicht brauchen wir da mal einen ordentlichen Namen für. Vor allem brauchen wir da mal eine Analyse für. Ist das gerade sowas wie Reise nach Jerusalem? Die Journalisten merken alle, dass das Geschäftsmodell, das ihr Leben finanzieren sollte, am Erodieren ist? Und daher kloppen sie aufeinander ein, in der Hoffnung, dass sie dann am Ende wenigsten besser dastehen als die, die sie mit Dreck beworfen haben?

Früher hatten wir mal sowas wie Meinungspluralismus. Das war kein Systemfehler, wenn Leute andere Meinungen, andere Herangehensweise, andere Ergebnisse und generell andere Weltbilder hatten. Das war im Gegenteil etwas Positives!

Ich will jetzt gar nicht groß auf diesem Beispiel herumhacken, aber eine Formulierung möchte ich doch hervorheben.

Zudem scheut sich Jebsen nicht, auch abstruseste Verschwörungstheoretiker wie den ehemaligen FAZ-Journalisten Udo Ulfkotte, der hinter den Veröffentlichungen in den westlichen Medien das Wirken von Geheimdiensten wittert, ohne kritischen Kommentar weitere Öffentlichkeit zu verschaffen.

Ich will jetzt nicht den Ulfkotte verteidigen, mit dem würde ich auch eher keine Interviewsendung machen wollen. Aber mir ist schon diese Idee absolut zuwider, dass es Aufgabe des Interviewers ist, alle Äußerungen des Interviewgasts kritisch zu beleuchten, zu framen und, mal kurz gefasst, alle Falschaussagen darin zu enttarnen.

Ich sehe das genau anders herum. Ich finde, es ist Aufgabe des Interviewers, Leuten ein Mikrofon hinzuhalten. Ein bisschen Fakten-Framing schadet nichts, aber im Wesentlichen ist die Funktion des Interviewers, schlaue Fragen zu stellen, um den aus den Antworten zu ziehenden Erkenntnisgewinn zu maximieren. Wenn die gewonnene Erkenntnis ist, dass der Interviewte ein dogmatischer Betonkopf ist, der sich in irgendwelchen Parallelwelten verfahren hat, dann ist das auch eine Erkenntnis. Die Kritik, jemandem „Öffentlichkeit zu verschaffen“, finde ich geradezu grotesk. Das erinnert mich an diese Jauch-Sendung mit dem beredten Imam, die ich nicht gesehen habe, aber die im Feuilleton die Runde machte. War das dann auch verurteilenswürdig, diesem Imam ein Forum zu bieten? Ist es verurteilenswürdig, mit AfD-Politikern Interviews zu führen? Oder mit solchen von der Linkspartei?

Ich finde, es darf da nie Tabus geben. Gerade mit Menschen aus Kulturkreisen, die dem Leser/Zuhörer fremd sind, ist es doch wichtig, Interviews zu führen und Eingaben für die Synapsen zu gewinnen!

Ich hör mal mit dem Ranten auf jetzt, aber das ärgert mich gewaltig. Auch weil es mir selbst schon passiert ist. Was für Menschen sind denn bitte der Meinung, ein Interview mit einer unliebsamen Person darf nur mit dem Ziel geführt werden, den Interviewgast mal so richtig vorzuführen?! Leute, wenn ihr so eine Abneigung habt, mal den Standpunkt des Gegenübers zu rezipieren, dann steht lieber zu eurem Dogmatismus und tut alle Interviews in euren Realitätsfilter. Und tut nicht so, als ginge es euch um Erkenntnisgewinn.

TL;DR: Früher haben wir Pluralismus für etwas Positives gehalten. Da möchte ich gerne wieder hin.
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